[Rezension] Hundert Stunden Nacht - Anna Woltz

by - 3/05/2017



Autor: Anna Woltz
Seiten: 256
Einband: Gebunden mit Schutzumschlag
Erschienen am: 03.03.2017
ISBN: 978-3-551-58348-2
Preis (D): 15,99€
Verlag: Carlsen










Inhalt:

Emilia hat sich die Kreditkarte ihres Vaters geschnappt und einen Flug nach New York gebucht. Sie will einfach nur weg. Aber das Apartment, das sie übers Internet gemietet hat, gibt es gar nicht und zu allem Überfluss kündigt sich Wirbelsturm Sandy an. Zum Glück lernt sie Seth, Abby und den ziemlich verrückten Jim kennen. Zusammen finden sie eine Bleibe in SoHo. Inzwischen hat der Sturm die Stadt fest im Griff: das Haus beginnt zu wackeln, dann fällt der Strom aus. Die vier müssen immer enger zusammenrücken, ob sie wollen oder nicht.

Quelle: Carlsen

Cover:

Ich finde das Cover wirklich gelungen und toll gestaltet. Mir gefällt dieser malerische Stil und auch farblich spricht es mir wirklich sehr an.


Meine Meinung:

Nachdem mir das Buch auf der Frankfurter Buchmesse wärmstens empfohlen wurde war mir klar, dass ich es unbedingt lesen muss. Der Klappentext klingt einfach verlockend nach einer witzigen und vor allem trotzigen Teenagerstory, auf die wirklich Lust hatte.
Als das Buch dann bei mir ankam konnte ich mich kaum beherrschen, habe nur schnell ein anderes Buch beendet und anschießend direkt mit diesem Buch begonnen.
Der Einstieg in die Story ist mir wirklich leicht gefallen. Der Schreibstil ist locker, flüssig und jugendlich und hat mich direkt in seinen Bann gezogen. Die Seiten sind nur so dahingeflogen. Beeindruckt war ich aber natürlich auch vom Setting. New York! Besser geht es wohl nicht. Und auch wenn wir von der Stadt an sich gar nicht so viel mitbekommen, wie in anderen New York-Büchern vielleicht der Fall ist, konnte man aber hier trotzdem das Feeling durch Protagonistin Emilia in sich aufnehmen.

Emilia ist 14 Jahre alt und sauer auf ihren Vater, der ihrer Meinung nach großen Mist gebaut hat, indem er einer Mitschülerin schnulzige SMS geschrieben hat. Ihre Mutter ist seit je her für sie unerreichbar und scheint sich als berühmte Malerin mehr für ihre Kunst, als für ihre eigene Tochter zu interessieren. 
Emilia will nur noch weg aus ihrem katastrophalen Alltag. Über ihrem Bett hängt ein Poster mit der Skyline von New York. Und über Nacht brütet sie also einen Plan aus. Mit der Kreditkarte ihres Vaters und ein paar Vorbereitungen und gefälschten Dokumenten läuft alles erstaunlich glatt ab und Emilia findet sich nur wenig später im Flieger nach New York wieder. Sie ist auf jede Situation und Frage vorbereitet, nur nicht auf ein nicht vorhandenes Apartment. 
Und so steht Emilia, die übrigens schreckliche Angst vor Bakterien hat, plötzlich alleine in New York und weis nicht wohin.
Wie es der Zufall will lernt Emilia Jim und seine Nachbarn Seth und Abby kennen. Zu viert verbünden sie sich gegen den vorhergesagten Wirbelsturm Sandy und gründen ein Orkanasyl, fernab von Eltern, Wasser und Strom.
3 Jungendliche und ein 9 jähriges Mädchen sind von nun an auf sich alleine gestellt. Es fahren keine Busse, es gibt kein WLAN und niemand ist erreichbar. Und während sie sich immer wieder fragen, wie die Leute das eigentlich früher geschafft haben, ohne technischen Schnickschnack, vermissen die 4 gerade diese Dinge von Tag zu Tag weniger und fangen an, sich mit den Katastrophen ihres persönlichen Alltags auseinanderzusetzen. 

Das Buch ist aus Sicht von Protagonistin Emilia geschrieben, die mir von Anfang an sehr gefallen hat. Ich bewundere sie ja ein kleines bisschen für ihren Mut, die Naivität, den Ideenreichtum und den Trotz und finde sogar ihre Bakterienmacke ziemlich sympathisch. 
Besonders die von Emilia immer mal wieder eingebrachten Bakterienfakten haben mir ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert.
Ihre Einstellung ihrem Vater gegenüber kann ich vollkommen nachvollziehen. So sind Teenager in dem Alter nunmal. Man will davon nichts mehr hören oder sehen, macht die Schotten dicht und will nur noch weg. 
In Emilias Fall gelingt das spielend leicht, weshalb sie sich auch in New York wiederfindet. 
Besonders den Weg, den Emilia innerhalb der Geschichte hinlegt, ist beachtenswert und nachhaltig. Nicht nur, dass sie sich mit Dingen dennoch irgendwann auseinandersetzten oder über ihren Schatten springen muss, Ängste vergessen sollte, sich um andere kümmern oder mit ihnen zusammenarbeiten muss, hinterlässt eine tolle Botschaft.
Am Anfang sind besonders die Frustration und Wut von Emilia spürbar, während man innerhalb der Geschichte auch immer wieder von ihrer Freunde und Euphorie angesteckt und mitgerissen wird.

Die Nebencharaktere Seth, Abby und Jim haben mir ebenfalls sehr gefallen. Jeder auf seine eigene Art.
Während Seth nach dem Tod seines Vaters in einer Art Zeitkapsel feststeckt und noch nicht in das Hier und Jetzt zurückgefunden hat, möchte seine kleine Schwester Abby gerne alles möglichst genau wissen. Gerne lässt sie Seth daher auflaufen oder fordert ihn mit blöden, aber witzigen Situationen heraus, seine Kapsel doch einmal zu verlassen. Abby ist ein wenig altklug, sehr direkt und voll von Ideen. Damit bringt sie ständig Schwung in die bunte Truppe, die eigentlich gar nicht so recht zusammen passen will.

Jim dagegen hat die Schule geschmissen und will es seinem alkoholtrinkendem Vater und der schwerarbeitenden Mutter zeigen, indem er es alleine in New York schaffen will. Mit seinen 17 Jahren und 8 Fingern, wie er behauptet, hat Jim es dennoch nicht leicht und merkt zumindest besser spät als nie, dass er sich in eine Richtung bewegt, die er eigentlich nie einschlagen wollte.

Alle Charaktere haben mit ihren jungen Jahren ihr Päckchen zu tragen und alle haben mit kleineren oder größeren Problemen in der Phase des Erwachsenwerdens zu kämpfen.
Besonders toll ist daher die Art und Weise, wie die Autorin die Charaktere reifen lässt. Alle entwickeln sich und beschäftigen sich damit, eine Lösung für ihren Lebensweg zu finden.
Dabei wirkt das Buch aber an keiner Stellen traurig oder langweilig. Eher im Gegenteil. Ich habe die Atmosphäre mit den Charakteren im stockdunklen New York sehr genossen und dabei sogar eine Menge Spaß gehabt.
Mit Charme und Witz lenkt uns Anna Woltz durch die nicht vorhersehbare Geschichte und konnte zumindest mich sehr für dieses Buch begeistert.

Bewertung:

Ein wundervolles Buch, das mit Witz und tollen Charakteren die Probleme des Alltags  von 3 Teenagern und einem 9 jährigen Mädchen bespricht.


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